Gebote bis zwölf, Preise kurz vor eins
Erzeuger, Versorger und Händler geben bis 12 Uhr ihre Gebote für jede Viertelstunde des Folgetags ab, zum Beispiel über die Strombörse EPEX Spot. Ein Rechenverfahren namens Euphemia gleicht dann alle Gebote Europas auf einmal ab und berücksichtigt dabei, wie viel Strom über jede Grenze fließen kann. Die Ergebnisse liegen meist vor 13 Uhr vor; hier auf der Seite erscheinen sie wenige Minuten später.
Merit-Order: Das teuerste benötigte Kraftwerk setzt den Preis
Jeder Anbieter bietet zu dem Preis an, der seine laufenden Kosten deckt. Wind und Sonne verlangen fast nichts, Kernkraft und Wasserkraft etwas mehr, Gaskraftwerke deutlich mehr. Die Auktion reiht die Angebote vom günstigsten zum teuersten, bis der Bedarf gedeckt ist. Das letzte noch benötigte Angebot bestimmt den Preis für alle in dieser Viertelstunde.
Deshalb kann ein Gaskraftwerk den Preis an einem Tag bestimmen, an dem es nur einen kleinen Teil des Stroms liefert. Und deshalb fällt der Preis so stark, sobald Wind und Sonne den Bedarf allein decken.
Gleicher Preis wie bei den Nachbarn?
Anteil der Stunden in den letzten 30 Tagen, in denen der deutsche Markt denselben Preis hatte wie der jeweilige Nachbarmarkt (Abstand unter 0,50 €/MWh), der mittlere Abstand und wie oft Deutschland günstiger war.
In den letzten 30 Tagen hatte Deutschland in 26 % aller Stunden genau denselben Börsenpreis wie Westdänemark (DK1). Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Markt Europas lagen im Schnitt 145,84 €/MWh pro Tag; am 21. Oktober 2026 reichte die Spanne von 74,73 €/MWh (Schweden (Stockholm, SE3)) bis 258,26 €/MWh (Italien (Nord)).
| Nachbarmarkt | Gleicher Preis | Mittl. Abstand €/MWh | Deutschland günstiger |
|---|---|---|---|
| 26 % | 8,5 | 12 % | |
| 22 % | 7,7 | 48 % | |
| 12 % | 18,4 | 59 % | |
| 12 % | 16,8 | 32 % | |
| 11 % | 36,7 | 79 % | |
| 7 % | 32,6 | 25 % | |
| 1 % | 36,1 | 84 % |
Amtliche Day-Ahead-Preise der europäischen Marktkopplung: bis September 2025 stündlich, seit Oktober 2025 je Viertelstunde. Auswertung: eigene Berechnung.
Warum Nachbarn manchmal ganz andere Preise haben
Solange die Leitungen zwischen zwei Ländern noch Platz haben, fließt Strom von der günstigen auf die teure Seite, bis sich die Preise angleichen. Ist eine Leitung voll, trennen sich die Märkte, und jede Seite bekommt ihren eigenen Preis. Österreich bildet seit Oktober 2018 eine eigene Preiszone und ist seitdem meist etwas teurer als Deutschland; Südschweden ist an vielen Tagen deutlich günstiger.
Was das für Sie bedeutet
Mit einem Festpreistarif spüren Sie die Auktion nur indirekt, wenn Ihr Versorger den Preis fürs nächste Jahr kalkuliert. Mit einem dynamischen Tarif zahlen Sie für jede Viertelstunde den Auktionspreis, dazu Netzentgelte und Steuern. In beiden Fällen stehen die Preise für morgen am frühen Nachmittag fest – genug Zeit, um Waschmaschine oder Auto danach zu planen.