Was ein negativer Strompreis bedeutet
Bei einem negativen Day-Ahead-Preis zahlen Erzeuger dafür, Strom liefern zu dürfen, und Abnehmer bekommen Geld für die Abnahme. Der Preis entsteht in der täglichen europäischen Auktion für den Folgetag und kann bis auf −500 €/MWh sinken.
Warum der Preis unter null fällt
Negative Preise entstehen, wenn mehr Strom angeboten als gebraucht wird – typischerweise mittags an sonnigen Wochenenden und Feiertagen oder in windreichen Nächten. Solar- und Windanlagen haben kaum laufende Kosten, und viele kleinere und ältere Anlagen erhalten ihre feste EEG-Vergütung auch bei negativen Preisen. Sie produzieren also weiter.
Hinzu kommen Kraftwerke, die sich nicht schnell herunterfahren lassen, und begrenzte Kapazitäten für den Export ins Ausland. Reichen Speicher und flexible Verbraucher nicht aus, um den Überschuss aufzunehmen, fällt der Preis so lange, bis genug Erzeugung vom Netz geht.
Negative Strompreise in den letzten 12 Monaten
Stunden mit negativem Day-Ahead-Preis je Gebotszone (Viertelstunden zählen als Viertelstunde), niedrigster Preis und letzter Tag mit negativen Preisen.
In den letzten 12 Monaten lag der Börsenstrompreis in Deutschland an 96 Tagen insgesamt 476 Stunden unter null. Der Tiefstwert betrug -499,99 €/MWh (01.05.2026, 13:15).
| Gebotszone | Stunden unter null | Tage | Tiefstwert €/MWh | Zuletzt |
|---|---|---|---|---|
| 476 | 96 | -500 | 10.10.2026 | |
| 476 | 96 | -500 | 10.10.2026 | |
| 310 | 74 | -499 | 10.10.2026 | |
| 254 | 63 | -499 | 28.09.2026 | |
| 239 | 48 | -464 | 27.09.2026 |
Amtliche Day-Ahead-Preise der europäischen Marktkopplung: bis September 2025 stündlich, seit Oktober 2025 je Viertelstunde. Auswertung: eigene Berechnung.
Haben Haushalte etwas davon?
Nur mit einem dynamischen Stromtarif, der den Börsenpreis weitergibt. Auch dann kommen Netzentgelte, Stromsteuer, Umlagen und Mehrwertsteuer pro Kilowattstunde hinzu – der Endpreis bleibt meist über null, ist aber deutlich niedriger als sonst. Einige Anbieter geben negative Preise vollständig weiter.
Mit einem Festpreistarif ändern negative Preise an der Rechnung direkt nichts. Sie zeigen aber, wo das Stromsystem Flexibilität braucht: Batteriespeicher, Wärmepumpen und Elektroautos, die ihren Verbrauch verschieben können.
Was es für Photovoltaik-Anlagen bedeutet
Wer Solarstrom zu Marktpreisen verkauft, verliert in negativen Stunden Geld. Für neue Anlagen in Deutschland gilt seit dem Solarspitzengesetz vom Februar 2025: Solange der Preis negativ ist, gibt es keine Einspeisevergütung; diese Zeiten werden ans Ende der Förderdauer angehängt. Eigenverbrauch, ein Speicher oder eine begrenzte Einspeisung lohnen sich in diesen Stunden besonders.